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Kirmessensation vom Jahre 1847 |
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Laurentiusluftschiff, die Kirmessensation im Jahre 1847. |
Vierzehn Tage später brachte das Bochumer Kreisblatt folgenden Artikel:
„Aber o weh, Herr Funke war klug genug, nicht sein Leben daran zu wagen, den Ruhm des Ikarus zu erreichen. Er begnügte sich damit, auf der Laurentiuskirmes sein Luftschiff zu zeigen und das Eintrittsgeld zu erheben.“
Anstatt Ruhm hat sich Großvater nur Spott erworben. Die gleiche Zeitung, das Bochumer Kreisblatt, geht in einer späteren Ausgabe streng mit ihm zu Gericht. Unter der Überschrift „Fantast“ ist hier ein langer Aufsatz veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem:
„Mit Harren und Hoffen hat`s mancher getroffen! Einsender dieses hoffe von Tag zu Tag die Ankündigung der ersten Probefahrt des Herrn Funcke in Crange zu erbeben. Er sah Schon im Geiste die vielen Veränderungen, welche durch diese wichtige Erfindung hervorgebracht werden musste. - Das simple Crange, bloß durch seinen Pferdemarkt in etwa bekannt, erhob sich zur Weltstadt, und wer sie nie sah, wurde mit vornehmer Herablassung angeblickt. Dort hörte man die Sprache sämtlicher Nationen. Stündlich erhob sich dort unter der Direktion des Herrn Funcke ein von demselben begabten Adler, um Personen, Güter ect. mit einer nie gekannten Schnelligkeit an Ort und Stelle zu bringen. Und welch ein Vorteil für den Handel. Die Waren konnten nicht nur schneller, sondern auch bedeutend billiger geliefert werden. Man brauchte sie nicht mehr zu verzollen. In der Luft eine Demarkationslinie anzulegen, fiel dem Staat niemals ein. Und weit entfernt, dass der Staat dem Herrn Funcke das Handwerk zu legen versuchte, war derselbe vielmehr sehr dankbar und ehrte ihn als das größte Genie. Herr Funcke wiederum ließ es an keinen Gegendank fehlen. Er versprach, in Kriegszeiten mit seinem Geschwader über dem streitenden Heere zu schweben oder die Truppen notfalls aufzunehmen und in Sicherheit zu bringen. Es war auch möglich, dem Feinde von oben herunter blaue Bohnen ins Gesicht zu werfen. Herr Funcke würde mit einer Glorie umgeben, wie nie ein Mensch zuvor. Minister buhlten um seine Gunst, Denkmäler würden ihm zu Ehren errichtet. O du glückliches, dreimal glückliches Crange!
So schwärmte Einsender öfters, und gewiss er nicht allein. Aber es wird wohl bei dem Schwärmen bleiben. Die Wirklichkeit werden wir noch erleben. Wer nichts von sich sehen und hören lässt, das ist Herr Funcke. – Nachdem er sein Schäfchen geschoren, sein Luftschiff Nämlich für Geld am Cranger Kirmestag hat besehen lassen, schließt er dasselbe ein und denkt: So hab ich euch Narren zum Besten gehalten! Ich frage: Ist das recht gehandelt Herr Funke? Sie sollten bei der Regierung ein Patent beantragt haben. Nach Aussage von Sachkennern soll in Ihrem ganzen Machtwerk nicht einmal das allereinfachste ABC der Mechanik zu finden sein. Was sie am Tag der Ausstellung von Pressluft, Schwungkraft usw. gefaselt haben, war nur blauer Dunst. Wie der „Westfälische Merkur“ berichtet, sollen sie nicht imstande sein, mit dem von Ihnen konstruierten Apparat sich einmal zu Fuß, viel weniger 600 Meter hoch bewegen zu können.- Geben Sie Ihr Projekt auf und begnügen Sie sich mit dem Ruhme, dem Publikum und dem hohen Adel eine lange Nase gedreht zu haben…“
Ein besonderes Zugstück der Cranger Kirmes bildete außer dem üblichen Fischessen das vom Großvater zuerst veranstalte Aalreiten. Zwei hohe Pfähle, auf seiner Wiese eingegraben waren, oben mit einer Querlatte verbunden, an welcher Aale aus der Emscher mittels Bindfaden aufgehängt wurden. Wer zehn Pfennig zahlte, konnte – im Trab unter diesem Galgen herreitend – versuchen, einen Aal herunterzureißen. Bekanntlich sind die Aale sehr glatt, und es glückte in den meisten Fällen nicht, einen solchen zu erwischen. Auch dann nicht, wenn jemand sich vorher die Hände mit Sand einrieb, was eigentlich nicht gestattet war. Um aber auch dem Reiter ab und zu einen Gewinn zukommenzulassen, waren die dünnen Aale mit einem schwachen Bindfaden befestigt, worauf der Angriff auf die dicken Aale verdoppelt wurde.
Im Jahre 1860 ist Funcken-Großvater gestorben. Weit über Hundert Jahre sind seit dieser Zeit vergangen, aber an seine „Scherze“ erinnert man sich heute noch heute.
Quelle: Archiv Rudolf Zienius