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Der Wanner Schweinemarkt |
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![]() Der Marktplatz vor dem Wanner Rathaus um 1905. |
Kontinuierlich mit der Bevölkerungszunahme durch Einwanderer aus dem Osten des Reiches die hauptsächlich im Bergbau tätig waren, stieg auch der Schweinebestand an. Fast hinter jedem Wohnhaus in den Arbeitersiedlungen befanden sich Stallungen, die speziell der Schweineaufzucht dienten.
In der Jubiläumsschrift „25 Jahre Wanne-Eickel“ wurde detailliert eine Statistik aufgestellt, die den damaligen Schweinebestand aufzeigt:
1892 standen 1851 Schweine in den Stallungen,
1897 waren es schon 2532 Schweine,
1904 waren es dann schon 3915 Schweine,
1908 war dann der Bestand bereits auf 4023 Schweine angewachsen.
![]() Schweinehandel auf dem Schweinemarkt um 1925. |
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Nach dem ersten Weltkrieg erreichte der Schweinebestand den absoluten Höhepunkt. Im Jahre 1921 standen 4182 Borstenvieher in den Ställen der Bergleute. Aber nicht nur Bergleute, auch Eisenbahner und sonstige Arbeiter versuchten mit der Aufzucht von „Jolante“ ihren Speisezettel zu verbessern.
Ich selbst war noch 1929 als 3-jähriger Knirps dabei, als mein Vater auf dem Schweinemarkt in Wanne ein Ferkel von etwa 20 Pfund erwarb, das rosig, strampelnde und laut quietschende Borstenvieh in den mitgebrachten Sack steckte und sich auf den Heimweg machte. Im Stall hinter dem Eckhaus Anton-Moltkestraße fand es dann eine neue Heimat. Bis zum Ende des Jahres. Dann hing es um mehr als das zehnfache seines ursprünglichen Gewichtes, ausgeschlachtet und aufgeklappt wie ein Buch, zum Auskühlen auf einer an der Hauswand angestellten Leiter. Wie sang man doch so schön: „Der ideale Lebenszweck ist Borstenvieh, ist Schweinespeck!“
![]() „…ausgeschlachtet und aufgeklappt wie ein Buch…“ |
Im zweiten Weltkrieg lag die Schweinehaltung infolge rigoroser kriegswirtschaftlicher Maßnahmen gänzlich danieder, blühte aber nach dem verlorenen Krieg, der eine Hungersnot ohnegleichen zur Folge hatte, noch einmal wieder auf. In den fünfziger Jahren endete schließlich die ganze „Schweinerei“ wegen des veränderten Konsumverhaltens der Bevölkerung. Kein „Schwein“ hielt sich mehr ein solches! Aus den Ställen wurden Garagen.
![]() Am 24. Februar 1926 kostete ein 5 bis 6 Wochen altes Ferkel ca. 40 |
Direkt neben dem Schweinemarkt, wenn man so will sogar auf dem Areal desselben, befand sich seinerzeit der Hof des Bauern Wilhelm Bo(h)mert, Moltkestraße 47 im Bereich der damaligen Ecke Schwerin und Moltkestraße, heute Rathausstraße Ecke Claudiusstraße. Der Hof wurde vom Amt Wanne aufgekauft und 1926 nach der Wanne-Eickeler Stadtwerdung zum Fuhrpark umfunktioniert. Die mächtigen, uralten Kastanien, an die ich mich noch gut erinnern kann, fielen der Säge zum Opfer, man brauchte eben mehr Platz und freie Flächen für die Unterbringung des Maschinen- und Wagenparks.
![]() Kleinviehhandel auf dem Schweinemarkt um 1925. |
Im Laufe der Zeit entsprach auch dieser veraltete Fuhrpark nicht mehr den gestiegenen Anforderungen der modernen Zeit und wurde nach 37 Jahren, im Jahre 1963 zur Herforderstraße verlegt. Die alten Gebäude und mit ihm die Reste des historischen Bauernhofes wurden wie man so schön sagt einfach „platt gemacht!“ Diese Ära war beendet.
Viel spekuliert wurde im Laufe der Zeit um die zukünftige Gestaltung des Platzes. In den zwanziger und dreißiger Jahren war er unter anderem noch Aufmarschplatz für Kundgebungen der KPD und der NSDAP die hier ihr Gedankengut an den Mann bzw. an die Frau brachten. Später fand dann und wann eine kleine Verkaufsmesse in großen Zelten statt.
Regelmäßig gastierte dort kleine Zirkusunternehmen. Wo einstmals Schweine quiekten, Ziegen meckerten und sonstiges Kleinvieh zum Kauf angeboten wurde, grasten nun Kamele, Lamas, Ponys und Co.
Auch für die Schausteller der Cranger Kirmes bietet er einmal im Jahr eine Bleibe, aber eine endgültige Nutzung steht immer noch aus! Planungen stehen im Raum dieses städtebauliche „Filetstück“ zu bebauen. Zur Debatte stand der Bau eines Altenheimes. Dann wurde erwogen Wohnungen für kinderreiche Familien zu erstellen, was aber wohl wegen Mangels an Masse, sprich Kinder, auch verworfen wurde.
Fazit der Geschichte: Es darf für die Zukunft weiter spekuliert werden, was mit dem Platz geschehen wird.
Nach Vorstellungen der CDU soll das im Volksmund „Schweinemarkt“ genannte Areal zwischen Rathaus-, Elsa-Brandström-, Heid- und Claudiusstraße in Wanne zu Wohnzwecken entwickelt werden. Ulrich Finke, CDU Sprecher im Planungsausschuss ist der Meinung: „Aufgrund seiner zentralen Lage und der günstigen Verkehrsanbindung bietet der Schweinemarkt beste Voraussetzungen zu einem attraktiven Standort für hochwertige Wohnbebauung.“
![]() Das im Volksmund „Schweinemarkt“ genannte Areal zwischen Rathaus-, Elsa-Brandström-, Heid- und Claudiusstraße in Wanne. |
Quelle: 50 Jahre Amt Wanne, 1. August 1925. 25 Jahre Stadt Wanne-Eickel 1. April 1951. Hegler, Gustav, Aus den Väter Tagen. Adressbuch für die Ämter Wanne und Eickel 1906. Fotonachweis: Fotoarchiv der Stadt Herne.