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Die alte Eickeler „Dohle“ |
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![]() Blick auf die Schankwirtschaft von Bernhard Dohle, Ecke Hauptstraße und Friedgrasstraße. |
Bähnd Dohle war ein Eickeler, wie er sein musste. Wenn er mit seinem Knebelbart einmal gerade nicht am Bierhahn stand, dann hatte er irgendeinen Eickeler Amtsvater zu Gast, mit dem er Eickeler Kommunalpolitik besprach. Zwischen dem „Chef“ Bönnebruch am Markt und der „Dohle“ wurden die „interfraktionellen Besprechungen“ abgehalten, die oft dem alten Amtmann Berkermann allerhand zu schaffen machten. War man sich in den Vorbesprechungen beim Bönnebruch nicht einig, dann holte man sich Rat für die Amtsratssitzung bei Bähnd Dohle, der – natürlich in unverfälschten Platt – den Gemeindevertretern die Marschrichtung angab.
Jahrzehnte ging das in der „Dohle“ so zu, denn die „Dohle“ war das Lokal der Pohlbürger, an dem auch die Polizisten nicht gern nach der Polizeistunde anklopften, da die Sage ging, dass dort ihre „Höheren“ gern einzukehren pflegten. Überhaupt war man in dieser Hinsicht im alten Eickel viel toleranter, als man es heute ist. Man liebte mehr die Gemütlichkeit, die immer dann in Eickel am schönsten war, wenn andere Leute schliefen. Trotz der 23 Kneipen, die einst im Bannkreis des Eickeler Marktes lagen und alle von der amtlichen Polizeistunde nicht sehr viel hielten, hat sich noch nie ein Eickeler darüber beschwert, dass er nicht gut geschlafen hätte.
Bähnd Dohle war auch Feuerwehrmann, und wenn es in Eickel brannte, dann stand er als erster auf der hohen Treppe und blies als Hornist die Alarmsignale. Vielfach hatte er den Feuerwehrrock dabei noch nicht ganz zu und den blanken mittelalterlichen Helm schief auf dem Kopf. Er blies aber so laut und kräftig, dass sämtliche Hunde ein wütendes Geheul anstimmten. Natürlich kehrte wenigstens ein Löschzug beim Bähnd nach dem Brand ein, aber mit dem Unterschied, dass das Löschen beim Bähnd viel länger dauerte.
Auch dem Turnen hatte er sich verschworen und war viele Jahre Ehrenmitglied des Turnervereins Eickel 1884. Als man ihn kurz nach dem ersten Weltkrieg zu Grabe trug, erlebte Eickel eine Beerdigung wie es sie selten sah. Turner in Weiß und die Feuerwehr mit brennenden Fackeln gaben ihm das letzte Geleit.
Der schöne Fachwerkbau mit den alten trauten Stuben einer beschaulichen Wirtschaft wurde von seinem Schwiegersohn Pytlick übernommen. Leider wurde das schmucke Fachwerkhaus wo die Gemütlichkeit zu Gast war im zweiten Weltkrieg zerstört.
Quelle: Mündliche Erzählung von Dorothea Goihl aus Eickel.