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Der Kaisergarten. Der heutige Wanner Stadtgarten


Der Weitsicht des Gelsenkirchener Landrat Dr. Hammerschmidt ist es zu verdanken, das es sie gibt, die Volksgärten. Den daraus entstandenen Kaisergarten, dem heutigen Wanner Stadtgarten nutzen noch heute die Bürger der näheren und weiteren Umgebung als Erholungsstätte, und auch als "grüne Lunge" für die Stadt hat der Park bis heute nichts von seiner Bedeutung verloren.

Auf anraten des Landrats Dr. Hammerschmidt beschloss der Kreistag im Jahre 1892 die Aufnahme einer Anleihe zum Ankauf von Grundstücken und deren Anlage von Volksgärten im Landkreis Gelsenkirchen, dem Wanne damals angehörte. Durch Ankauf eines Geländes von dem Landwirt Friedrich Schalke, der Witwe August Overhoff, dem Bergwerksdirektor Hohendahl, Bauunternehmer Nolda und Schmied Brauckmann gingen Grundstücke in der Gesamtgröße von rund 21 Morgen in den Besitz der Gemeinde Wanne über.

An der Wilhelmstraße und jetzigen Hammerschidtstraße, sollte ein Volksgarten entstehen, der einen Kaiserbrunnen enthalten sollte. Das 25 jährige Jubiläum des Krieger- und Landwehrvereins Bickern-Crange gab den Anlass zur Grundsteinlegung dieses Brunnens, der ursprünglich am 6. August 1898 erfolgen sollte, aber infolge des Ablebens des Fürsten Bismarck auf den 20. August desselben Jahres verschoben wurde.

Die Planbearbeitung und Bauleitung wurde Anfang 1899 dem Düsseldorfer Gartenarchitekten Gude übertragen, während die "Ausführung der Anlage im Submissionswege vergeben wurde". Im Jahre 1899 ging man daran, das bis dahin baumlose Gelände zu bepflanzen. Zitat aus der Festschrift des Amtes Wanne: "Das ziemlich ebene Gelände wurde bei der Anlage durch den Aushub der Bodenmassen für die Teichanlage etwas wellig gestaltet und erhielt in seinem mittleren Teil eine Teichanlage, die durch natürlichen Grundwasserzustrom gespeist wird." Am 8. August 1900 war es soweit: Der Kaisergarten wurde "gleichzeitig mit der inzwischen errichteten Restauration der Öffentlichkeit übergeben". Zu den besonderen Attraktionen zählte der Rosengarten und das Cafe`, in dem die Spaziergänger bei schönem Wetter draußen sitzend sich an Bier, Limonade, Kaffee und Kuchen laben stärkten. Mit dem Bau der Gartenanlage, die 1925 erweitert wurde, erstellten die Verantwortlichen zugleich eine provisorische Holzhalle, die später dem Saalbau weichen musste, der seinerseits 1944 weitgehend zerstört und dann wieder aufgebaut wurde.

Als der Erste Weltkrieg beendet war, erhielt der Kaisergarten durch Beschluss des Parkausschusses die Bezeichnung "Stadtgarten", die er bis auf den heutigen Tag trägt. Vor allem nach seiner Erweiterung im Jahre 1925 erfreute er sich einer ständigen wachsenden Beliebtheit. Kein Wunder: "Die Stadtgartenanlagen bieten in diesem Jahre durch ihren Blumenschmuck freudige Bilder inmitten der ruß- und rauchgeschwängerten Gemeinde..." Der "Kaiserbrunnen" indes ist als Denkmal erhalten geblieben. Der Eickeler Heimatforscher Gustav Hegler schrieb 1903 in seinem Buch "Eickel-Wanne einst und jetzt": "Der Wanner Volkspark, Kaisergarten genannt, ist eine höchst nützliche und angenehme Erholungsanlage. Die Zierde und der Schmuck des Kaisergarten ist der aus freiwilligen Beiträgen der Bürgerschaft erbaute Kaiserbrunnen, zu dem am 20. August 1898 der Grundstein gelegt, und der am 1. September 1901 unter Beteiligung der gesamten Bürgerschaft enthüllt wurde". Der Wanner Amtmann Friedrich Winter war es gewesen, der 1896 die Anregung zum Bau des Brunnens gab. Bildhauer Frische aus Düsseldorf hat das Monument erbaut und folgende Idee zugrunde gelegt: Der architektonische Aufbau mit den vorgelagerten Grotten- und Teichanlagen ist als eine Apotheose an das Hohenzollernhaus gedacht.

Das von der goldenen Kaiserkrone überragte Denkmal war geziert von den drei eingearbeiteten Bronzereliefs mit den Bildnissen der Kaiser Wilhelm I., Friedrich III. und Wilhelm II. Die Reliefs wurden 1923 von unbekannter Hand entwendet. Das Monument hat eine Höhe von 15 Meter. Die auf der Vorderseite allegorische Figur stellt den Frieden dar - aus den Löwenköpfen sprudelten sechsteilige Wasserstrahlen in das vorgelagerte Hauptbassin. Die Rückseite ist mit einer ornamentalen Steintafel versehen, in deren Mitte eine Widmung der Gemeinde Wanne eingraviert ist. Frontseitig ist folgende Inschrift angebracht: W. Hülsmann aus Wanne fand bei Beaune la Rolande am 28. November 1870 den Heldentod. Das Bauwerk war von innen begehbar. Die gesamte Brunnenanlage war durch eine Eisengitter eingefasst. Die Wasserkaskade endete im großen Teich.

Das Denkmal wurde 1988 Restauriert und in die Denkmalliste aufgenommen.

Der Stadtgarten der mittlerweile in die Jahre gekommen war wurde 1988 umfangreich Saniert. Neue Wege wurden angelegt, eine Reihe von Großsträuchern und Bäumen wurden abgeholzt und der Spielplatz an der Wilhelmstraße erneuert. Das Ergebnis der umfangreichen Arbeiten wurde von den Bürgern im Frühjahr 1989 begutachtet. Der Millionenaufwand hatte sich gelohnt, der Stadtgarten wurde hiermit für spätere Generationen erhalten.


Quelle: Bürgerillustrierte der Stadt Herne: Unsere Stadt, 1988. Auszug aus der WAZ vom 19. Dezember 1989.


   
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