wanne-eickel wappen mitte
wanne-eickel wappen unten

Gebäude und Denkmäler
3 Männer Eck
Bahnhof Wanne
Die alte Eickeler Dohle
Kirchen
Lönsmühle
Mahnmal im Volkspark Eickel
Stadthalle
Erholung
Firmen mit Tradition
Stadtgeschichte
Kirmes
Kunst und Kultur
Bergbau
 
Du befindest Dich hier: Gebäude und Denkmäler / 3 Männer Eck / 

Das Drei-Männer-Eck, ein Symbol der Wanne-Eickeler Wirtschaft, von Heinrich Lührig

Mit dem Umbau des Bahnhofs zu seiner jetzigen Gestaltung wurde im Jahre 1907 begonnen. Gleichzeitig wurden Anschlussstrecken für die neuerbauten Bahnhofsteile West- und Ostbahnhof gebaut, um den Güterzug- vom Personenzugverkehr zu trennen. Im Rahmen dieser Baumaßnahmen wurde ein großes Stück des Geländes höher gelegt. Mit der Erweiterung der Herner Straße im Jahre 1927 um 13 Meter, wurde eine Stützmauer des Bahndamms erforderlich. Ende Juli des selben Jahres waren die Putzarbeiten beendet, doch der Platz des grau gefärbten Verputzes schien ohne eine Verzierung zu fahl. So beschloss man, die kahlen Flächen durch drei Säulen lebendiger zu gestalten. Den Auftrag hierzu bekam der Wanne-Eickeler "Künstler" Gewerbeoberlehrer Wilhelm Braun.

Der Idee des Künstlers waren drei Skulpturen, ein Schiffer, ein Bergmann und ein Eisenbahner, als Symbol der Wanne-Eickeler Wirtschaft. Das Material bestand aus wetterfestem Muschelkalk, der im Freien noch verhärtet. Die Figuren haben eine "Lebensgröße" von 1,70 Meter und wurden 2,50 Meter über dem Bürgersteig aufgestellt.

In den frühen Abendstunden zum 16. August 1927 begann man an der Wand längst der Hernerstraße, an der Ecke der Gelsenkirchenerstraße, mittels Flaschenzuges die lebensgroßen Figuren einzeln auf die dafür vorgesehenen Sockelstützen hoch zu ziehen. Dann wurden die einzelnen Statuen mit Eisen im Mauerwerk verankert. Ein paar Tage später hat auch schon der Volksmund eine Bezeichnung für diese Ecke gefunden: "Drei-Männer-Eck".



Die einzelnen Skulpturen waren wie folgt angeordnet: Rechts, nahe der Bahnunterführung, mit Ölzeug und Südwester bekleidet, die Hand an einem Prahm, wies der Schiffer auf den einst größten Hafen des Rhein-Herne-Kanals hin. Die zweite Skulptur stellte den Bergmann mit seiner Grubenlampe in der linken und der Kohlenhacke in seiner rechten Hand dar. Er stand als Symbol für den Bergbau. In Richtung Bahnhof stand der Eisenbahner im Uniformrock, in der rechten Hand ein Flügelrad. Er war Symbolfigur für den Eisenbahnknotenpunkt der Emscherstadt (Stadt der tausend Züge).

Ohne den künstlerischen Wert der Arbeit schmälern zu wollen, ging Anfangs das allgemeine Urteil der Bürgerschaft auf die drei schmucken Figuren weit auseinander. Dem einen waren die Skulpturen an der wuchtigen Mauer trotz ihrer 1,70 Meter zu winzig, dem anderen waren die Konsolen auf den sie standen zu klein. Spötter wiesen sogar auf eine vierten Figur hin die in nächster Zeit noch aufgestellt werden sollte, ein verdienten Stadtverordneten. Man war sich aber seitens der Stadtverwaltung noch nicht einig wen von den 48 verdienstvollen Männern und Frauen man berücksichtigen solle. Die Stadtverwaltung sei aber einer Lösung nahe und brauche sich nur noch zu entschließen, ob man den nimmt, der am meisten spricht, oder den, der am lautesten redet.

Das der Bürger seine "Drei-Männer-Ecke" doch sofort in sein Herz geschlossen hatte ging aus mancher Anekdote hervor. Stellvertretend hierzu die mündliche Überlieferung der Wanne-Eickelerin Dorothea Goihl, sie berichtete wie folgt:

Vor langen Jahren, als die Ankunft und Einfahrt der Züge noch nicht über Lautsprecher angekündigt wurde, schritt der einarmige Heinrich Schattenberg, in strammer, dienstlicher Haltung die Bronzeglocke schwingend, den Bahnsteig auf und ab. "Achtung, von der Bahnsteigkante zurücktreten, der Zug fährt ein!" So war es vordem auf dem alten Wanner Bahnhof. Dann folgte die Bekanntgabe der nächsten Ankünfte, denn Wanne war schon lange ein Knotenpunkt! Gemessen an dem heutigen Zugverkehr war das Amt des Ausrufers und Auskunftsbeamten nicht so aufreibend und deshalb war er nicht so ausgelastet. Immerhin, Dienst war Dienst. Außer Dienst war er voller Humor und neigte zu oft recht gewagten Wettangeboten und Abschlüssen. Der Einsatz war nicht gerade hoch, er hatte aber eine Schwäche für die kühlen blonden Tulpen; so wurde damals ein schlankes Bierglas genant. Darum drehte sich zumeist der Wetteinsatz unter Berufskollegen. Wieder einmal war Heinrich Schattenberg in Wettlaune. Es war sehr heiß im Sommer 1927, und soeben war sein Dienst beendet. Er strebte mit einigen Kollegen seiner Häuslichkeit an der Gelsenkirchener Straße zu. Man passierte die Wand längs der Herner Straße an der Ecke Gelsenkirchener Straße, dem späteren Drei-Männer-Eck. Vorerst waren aber nur die Sockel vorhanden. Heinrich traute sich an diesem schönen Augusttag zu, den Beamten, der demnächst den Eisenbahner symbolisch darstellen sollte, schon jetzt zu vertreten. Die Wette kam zustande. Es ging um einige Tulpen bei Fork, hellblond mit gut gezapften "Feldwebel".

Den Einsatz gewann er, denn er kletterte auf den Sockel, machte den zuschauenden Kollegen seine artige Referenz, verlor aber hierbei die Balance und stürzte ab. Er brach sich den Arm, nahm es aber mit Humor, was blieb ihm auch anders übrig, ebenso seine Kollegen.

Später bei Fork waren sie bereit, ihm die verlorenen Tulpen "unter die Nase" zu führen. Als später die Figuren aufgestellt und der Arm ausgeheilt war, soll er es nie unterlassen haben, dem steinernen Kollegen in luftiger Höhe seinen Dienstgruß, zwei Finger am Mützenrand, erwiesen zu haben. Auch dann, wenn er ihn nur durch "Nebelschwaden" gesehen hat.


Mit den Jahren hatten die Bürger ihr Drei-Männer-Eck ins Herz geschlossen. Um so überraschter waren sie, als nach 43 Jahren plötzlich das "aus" für die drei Skulpturen kam. Die Bundesbahn hatte wegen der öffentlichen Sicherheit die Entfernung der stark beschädigten Skulpturen gefordert. Nach einer Sitzung im Stadtrat wurde dann mit nur einer Stimme Mehrheit für das Entfernen gestimmt. Am 9. Juni 1970 fuhren mehrere Lastwagen der Baufirma Köhring am "Glückaufplatz" vor und transportierten die durch Bomben, Abgasen und allgemeine Luftverschmutzung beschädigten Figuren ab. Unter großem Einsatz des Stadtarchivars Rudolf Zienius wurden die Figuren, die mehrere Jahre ihr Dasein auf dem Bauhof der Firma Köhring fristeten, restauriert und an der Vorderfront des Heimatmuseums an der Unser-Fritz-Straße wieder aufgestellt.

Übrig blieben eine vom Abriss der drei Steinfiguren gezeichnete Mauer, deren Putz von der Wand bröckelte.



18 Jahre zogen ins Land ohne dass sich die Bundesbahn als Mauerbesitzerin und die Stadt über eine Sanierung einig wurden. Auch Bemühungen seitens der Bürgergemeinschaft die alte Fläche zu restaurieren und die Skulpturen wieder auf ihre angestammten Plätze anzubringen scheiterten. Im Juni 1988 bereitete dann der Abrissbagger der Firma Heitkamp die markante Begrenzung im Bereich der Kreuzung Haupt- und Berliner Straße ein Ende. Die nach dem Abriss freigelegte Böschung wurde begrünt und durch eine niedrige Stützmauer ersetzt. Somit gehört das einstige Wahrzeichen von Wanne-Eickel, das Dreimännereck entgültig der Vergangenheit an.



Um den einstigen Glanz am nun öde wirkenden Dreimännereck teilweise wieder aufleben zu lassen, wurde der Wunsch nach Aufstellung einer Seilscheibe als besondere Verbundenheit mit dem heimischen Bergbau laut. Bis zur Realisierung sollte es aber noch eine mehrjährige kontroverse Diskussion über die Errichtung dieses Bergbausymbols in Wanne-Mitte geben. Der Grund: Der Grundstückseigentümer Bundesbahn und die Stadt Herne hatten das "Bauwerk" zum Zankapfel gemacht. Doch rechtzeitig zum Weihnachtsfest 1990 konnte dann die tonnenschwere, vom Bergwerk Consolidation an die Stadt gespendete Seilscheibe auf den dafür vorgesehenen Sockel gehievt werden. Im April 1991 wurde dann das Industriedenkmal Seilscheibe, vom Gesang des Knappenchores Glückauf begleitet, offiziell ihrer Bestimmung übergeben. An einer Zockelseite wurde eine Gedenktafel angebracht, die an sieben einstigen Wanne-Eickeler Schachtanlagen erinnert (Königsgrube, Hannibal 2, Pluto Thies 1 / 4, Pluto Wilhelm 2 / 3, Unser Fritz 1 / 4, Unser Fritz 2 / 3, Shamrock 3 / 4).


Quelle: Auszüge aus: Wanne-Eickeler General Anzeiger vom 16.08.1927.
Westdeutscher Herold vom 20.08.1927 und 27.08.1927.
Wanne-Eickeler Rundschau vom 04.10.1972.
WAZ vom 06.03.1985, 07.06.1988, 16.02.1989, 28.09.1989, 24.04.1990, 15.08.1990, 04.12.1990, 06.04.1991.


   
  Wanne-Eickeler Jungs zeigen Wanne-Eickel