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Die Bergwerk-Aktiengesellschaft Pluto


Im Jahre 1855 verkauften Freiherr Levin von Elverfeldt aus Martfeld bei Schwelm und Kammerherr von Lillien aus Obherdick bei Unna den konsolidierten Felderbesitz Pluto und ihre Mutungsrechte an den Bergamtsassessor a. D. Heinrich Thies aus Essen. Der Name der Zeche "Pluto" ist der griechischen Göttersage entnommen. Pluto, einer der drei Söhne des Göttervaters Kronos erhielt bei der Aufteilung der Welt das unterirdische Reich. Sein Bruder Zeus bekam das oberirdische Reich und Poseidon das Meer.

Das Grubenfeld lag besonders günstig zu der im Jahre 1874 eröffneten Köln-Mindener-Eisenbahn, die damals noch die einzige Eisenbahnstrecke im Ruhrgebiet war. Heinrich Thies beabsichtigte nun, im Grubenfeld Pluto, den Steinkohlenabbau vorzubereiten. Das hierzu benötigte Kapital glaubte er am besten durch die Bildung einer Aktiengesellschaft beschaffen zu können. Durch Anzeigen in Zeitungen und Handschreiben an bekannten Geldgebern forderte er am 29. März 1856 zur Bildung einer Aktiengesellschaft auf.

Der Zeitpunkt war nicht schlecht gewählt, denn der Bedarf an Steinkohle nahm von Jahr zu Jahr zu. Für die Beschaffung des Aktienkapitals bestand also keine großen Schwierigkeiten. Heinrich Thies ließ sich aber noch von einem Fachmann mit Ruf ein geologisches und bergtechnisches Gutachten anfertigen. Es war der spätere Direktor der Zeche Pluto und Berggeschworene Karl Barth. Dieser kam zu dem Ergebnis, dass man zunächst 470.000 Taler benötigte. Vom Spatenstich bis zur Aufnahme der Förderung setzte er vier Jahre an. Er errechnete bei einer Förderung von 20.000 Scheffeln täglich und 300 Arbeitstagen im Jahr einen Jahresgewinn von 400.000 Talern. Bei diesen guten Aussichten waren bald alle Aktien gezeichnet. Insgesamt waren es 1.600 Aktien zu je 500 Talern, also ein Grundkapital von 800.000 Talern.

Die konstituierende Generalversammlung wurde für den 10. Juli 1856 nach Essen einberufen. Deshalb gilt der 10. Juli 1856 auch als Gründungsdatum der Zeche Pluto.

In Essen wurde folgender erster Verwaltungsrat gewählt:

Bergamtsassessor a. D. Heinrich Thies, Essen,
Dr. jur. Friedrich Hammacher, Essen,
Kommerzienrat Julius Scheidt, Kettwig,
Bankier Gustav Runde, Braunschweig,

Stellvertreter waren:
Maschinendirektor Heinrich Kirchweger, Hannover,
Bankier Wilhelm Schieß, Magdeburg,

Zum 1. Vorsitzenden wurde:
Dr. jur. Friedrich Hammacher, Essen,

gewählt. Die Regierung ernannte zum staatlichen für die Bergbau AG Pluto den Major a. D. und Domänenrat Keller aus Essen. Das Statut der neuen Bergwerksgesellschaft wurde vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. Am 11. Mai 1857 genehmigt. Nun erwarb der neugebildete Verwaltungsrat die an Heinrich Thies verliehenen Steinkohlefelder für 330.000 Taler.

Die Verwaltung kaufte in der zweiten Hälfte des Jahres 1856 von den Landwirten Bönnebruch, Steinberg und Haumann ein 4,32 Hektar großes zusammenhängendes Gelände für einen Preis von 40.832,71 Taler. Dieses Gelände lag im Norden unmittelbar an der Köln-Mindener-Eisenbahn und wurde im Westen durch einen Weg begrenzt, der später zur Gelsenkircher Straße ausgebaut wurde.

Das Betriebsgelände war sehr geschickt gewählt, da leicht ein Eisenbahnanschluß herzustellen war.

Solange kein Bahnhof vorhanden war, konnte das Material von der Bahnstation in Gelsenkirchen oder von Herne-Bochum über diese Landstraße herantransportiert werden.

Mit der Leitung der Abteufarbeiten für den 1. Schacht bestellte man den Steiger Vietinghoff. Dieser 1. Schacht erhielt bald den Namen "Thies", weil der Verwaltungsrat dadurch besonders den Gründer der Zeche Pluto ehren wollte. Der Name Pluto-Thies stand bald für die gesamte Zechenanlage, die in Röhlinghausen lag. Am 1. Januar 1858 übernahm Betriebsführer Worch von der Zeche Carolienglück die Abteufarbeiten. Am 21. Dezember 1858 wurde bei 149,34 Meter Teufe das Steinkohlengebirge angefahren. Bei 191,1 Meter wurde das Füllort für die 1. Bausohle angesetzt. Der Schacht Pluto-Thies hatte einen rechteckigen Querschnitt. Die lichte Länge betrug 7,15 Meter und die lichte Breite 5,19 Meter. Bis zu einer Teufe von 163,71 Metern wurde er ausgemauert. Der Schachtteil unterhalb dieser Teufe erhielt eine Bolzenschrotzimmerung. Bei den Ausmauerungsarbeiten ereignete sich am 4. August 1859 durch eine Ansammlung von Methangas unterhalb der Sicherheitsbühne eine Explosion, bei der zwei Tote und mehrere Verletzte zu beklagen waren.



Der Schacht Thies wurde nach der Ausmauerung noch bis auf 258,40 Meter geteuft. Die 2. Sohle wurde bei einer Teufe von 243,9 Metern angesetzt.

Über Tage wurde im Jahre 1859 der 30 Meter hohe Malakowturm über dem Schacht Pluto-Thies fertiggestellt und ein Jahr später eine Fördermaschine von 120 PS Leistung installiert. Diese Maschine wurde von der Bergbaubehörde für die Seilfahrt und den Materialtransport zugelassen. Im Jahre 1861 erfolgte dann der Gleisanschluß zur Köln-Mindener-Eisenbahn, so dass ab 1862 die Förderung im Großen aufgenommen werden konnte. Bereits im Jahre 1865 wurden erstmalig 100.000 Tonnen Kohle gefördert.

Bis 1873 arbeitete die Zeche Pluto-Thies nur mit einem Schacht. Die Wetterführung wurde mittels des Schonsteins des Kesselhauses bewerkstelligt. Da dieses Verfahren aber bald nicht mehr ausreichte, wurde 1863/64 über Tage ein Wetterofen aufgestellt, mit dem die Wetterführung erheblich verbessert wurde. Bei Gasen und beim natürlichen Wetterzug beschleunigte der durch Erwärmen hervorgerufene Auftrieb die Erzeugung des Zuges im Schonstein. Die Bergbehörde hatte schon am 26. Mai 1862 die bisher offenen Grubenlampen verboten und wegen der Schlagwettergefahr die Verwendung von Ölsicherheitslampen angeordnet.

Mit dem Abteufen des 2. Schachtes, der zu Ehren des deutschen Kaisers den Namen Wilhelm erhielt, wurde am 3. Mai 1873 begonnen. Die Lage dieses Schachtes wurde an der schon damals vermessenen Eisenbahnlinie Wanne nach Unser-Fritz gewählt. Auch die Nähe des geplanten Rhein-Herne-Kanals spielte bei der Auswahl eine Rolle.

Aus wettertechnischen Gründen wurde es 1875 erforderlich, noch einen 3. Schacht im Plutofeld zu Teufen. Im Jahre 1908 erhielt dieser Schacht nach einigen Erweiterungsarbeiten dann den Namen Schacht 6. Er lag an der Straße Auf der Wilbe/Plutostraße.

Die Tagesanlagen auf der Zeche Pluto-Thies bestanden somit aus dem Schachtturm, dem Fördermaschinenhaus, der Kaue und dem Magazin, das noch einige Büros und Dienstwohnungen erhielt. Weiter waren ein Kesselhaus, eine Schreinerei, eine Schmiede, eine Sieberei mit Wäsche und eine Kokerei vorhanden. Für die Herstellung der Ziegel, die in großen Mengen für den Zechen- und Wohnungsbau gebraucht wurden, kaufte man eine in der Nähe befindliche Ziegelei auf. Zur Abfuhr der Kohlen und zur Anfuhr des Materials diente die zusammen mit der Zeche Königsgrube erbaute Anschlussbahn an den Bahnhof Herne. Im Jahre 1871 wurde eine Wasserleitung von der Königsgrube zum Schacht Thies gebaut, die erstmals den ungestörten ganzjährigen Betrieb der Kokerei und der Wäsche sicherstellte.

Am 10. Mai 1882 ereignete sich auf der Zeche Pluto-Thies ein schweres Grubenunglück. Bei einer Schlagwetterexplosion in 405 Meter Teufe kamen 67 Bergleute ums Leben. Die Unglücksursache ist niemals richtig geklärt worden. Wahrscheinlich war der Funke einer offenen Grubenlampe die Ursache der Explosion. Ein Extrablatt der Essener Zeitung vom 12. Mai 1882 berichtete über die schreckliche Katastrophe in der Geschichte des Wanne-Eickeler Steinkohlenbergbaus:

Heute Vormittag verbreitete sich hier schnell die Schreckenskunde von einem grässlichen Grubenunglück. Auf der Zeche Pluto bei Wanne war gestern Abend 20 Minuten vor neun Uhr eine Explosion schlagender Wetter erfolgt, welche mit einem Schlag 59 Menschenleben dahinraffte.

Insgesamt umfasste die Belegschaft der Zeche Pluto damals 1.600 Mann. Gefördert wurden pro Jahr rund 300.000 Tonnen Kohle. Die Opfer kamen aus folgenden Ortsteilen: 17 Bergleute aus Eickel, 27 Bergleute aus Röhlinghausen, 11 Bergleute aus Bickern, vier Bergleute aus Holsterhausen, zwei Bergleute aus Crange und sechs Bergleute kamen von auswärts. Tausende nahmen an dem Begräbnis der verunglückten Plutoknappen teil. Heute erinnert noch ein Grabstein auf dem evangelischen Friedhof an der Lohofstraße in Eickel an die Opfer. Auf dem Marien-Friedhof an der Herzogstraße in Eickel stehen ein Kreuz und ein Denkmal an der Stelle, wo einst Pfarrer Johannes Hachmann die Grabrede hielt.

Auch in der deutschen Literatur hat die Zeche Pluto ihren Platz gefunden, und zwar in dem Roman "Hundejahre" von Günter Grass. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahre 1945 ziehen vertriebene Menschen und Tiere nach Westen, darunter ein Walter Matern und der ehemalige Wolfhund des "Führers" aus dem Geschlecht des berühmten Wolfhundes Perkun. Mensch und Tier trauern der Vergangenheit nach, der Wolfhund umso mehr, da er jetzt keinen Namen mehr hat. Grass schreibt:

Namenlos schlagen sie sich über den Lippe-Seiten-Kanal in die Haard, einen mäßig hügeligen Forst. Eigentlich will er mit namenlosem Hund quer durch den Mischwald bis Marl - Soll er Kuno oder Thor heißen? - aber dann biegen sie mit dem Weg links ab - Audifax? - bis sie, schon außerhalb des Forstes, auf die Eisenbahnstrecke Dülmen - Haltern - Recklinghausen stoßen. Und hier gib`s Zechennamen, die können auch als Hundenamen taugen: Hannibal, Regent, Prosper? - In Speckhorn finden Herr und namenloser Hund ein Bett.

Schlag nach, zähl auf. In Granit und Marmor gemeißelt. Namen, Namen. Die Geschichte besteht daraus. Kann soll darf man einen Hund Totila nennen, Etzel oder Kaspar Hauser? Wie hieß der erste der langen Reihe? Perkun. Vielleicht sollten die restlichen Götternamen spenden: Potrimp oder Pikoll?

Wer wälzt sich und schläft nicht, weil ihm Namen, doch nun private, die keinen Hund kleiden möchten, den Rücken unruhig machen? Früh, bei Bodennebel halten sich beide an den Eisenbahndamm, treten auf Schotter, lassen überfüllte Morgenzüge vorbei. Ruinenscherenschnitte: das ist Recklinghausen oder schon Herne, rechts Wanne, links Eickel. Notbrücken führen über die Emscher und den Rhein-Herne-Kanal. Namenlose sammeln Kohlen im Nebel. In Fördertürmen schweigen oder drehen sich Seilscheiben über namenlose Zechen. Kein Lärm. Alles auf Watte gebettet. Allenfalls spricht der Schotter oder Krähen wie üblich: namenlos. Bis etwas abzweigt nach rechts und einen Namen hat. Schienen, eingleisig, kommen von Eickel und wollen nicht nach Hüllen. So kann man bei offener Einfahrt auf verwittertem Namensschild Großbuchstaben lesen: .

Der tut`s: "Hierher Pluto. Pluto Platz. Bei Fuß Pluto. Faß zu Pluto. Brav Pluto. Kusch, bring friß Pluto. Hopp Pluto. Such Pluto. Meine Pfeife Pluto! "Pluton steht Pate, der das Getreide und die Moneten scheffelte, der, Hades ähnlich - oder dem alten Pikollos - die unteren Geschäfte besorgt: Schattengeschäfte, tempellose Geschäfte, unsichtbare Geschäfte, Untertagegeschäfte, die große Pension, die Seilfahrt zum Schachtsumpf, da kannst Du rein und nicht raus, bei dem ist Bleibe, den besticht keiner, alle alle müssen zu Pluto, den niemand verehrt. Nur Matern und die Eleer stapeln auf dem Altar: Herz, Milz und Nieren für Pluto!

Sie folgten der Abzweigung. Unkraut zwischen den Gleisen meint, hier fuhr schon lange kein Zug, und die Schienen stumpfte Rost ab. Matern probierte den neuen Namen aus, laut und leise. Seitdem er von dem Hund Besitz ergriffen hat, lässt seine Heiserkeit nach. Es klappt mit dem Namen. Zuerst Erstaunen, dann wird mit Eifer gehorcht. Der Hund hat Schule gehabt. Das ist kein X-Beliebiger. Pluto steht und liegt ab nach Pfiffen mitten im Kohlenpütt. Auf halber Strecke, zwischen Dortmund und Oberhausen, zeigt Pluto, was er gelernt hat und nicht vergessen, nur ein wenig verdrängt, weil die Zeiten so unruhig herrenlos waren. Kunststücke. Schon gerinnt der Nebel und verschluckt sich eigenhändig. Sogar eine Sonne gibt es hier so gegen halb fünf.

Diese Manie, einmal täglich die eigene Lage zu peilen: Wo sind wir denn? Bedeutende Ecke! Links Schalke-Nord mit Wilhelmine-Viktoria, rechts Wanne ohne Eickel, hinterm Emscher Bruch hört Gelsenkirchen auf, und hier, wo die Abzweigung mit rostigen Schienen und Unkraut hin will, liegt unter altmodisch knickbeinigem Förderturm, halbzerbombt und stillgelegt, jene Zeche Pluto, die dem schwarzen Schäferhundrüden Pluto den Namen gab.

Im Jahre 1891 wurden auf der Zeche Pluto-Thies in 606 Meter Tiefe im Liegenden von Flöz Sonnenschein starke Solezuflüsse angefahren. Dieser Sole verdankt das Sol- und Thermalbad Eicke-Wanne seinen Ursprung. Die Sole wurde von der Zeche Pluto, Schacht Thies, durch eine Pumpe zu Tage gefördert und floss in einer besonderen Leitung zum Solbad. Am 19. September 1893 erfolgte die Verleihung des Feldes Wilhelmsquelle. Das Sol- und Thermalbad Wilhelmsquelle wurde 1894 durch den Bauunternehmer August Franke in Wanne errichtet und zunächst auf eigene Rechnung betrieben. Franke schloß am 9. Mai 1894 einen Vertrag mit der Gelsenkirchener Bergwerks AG über die Lieferung der erwähnten Sole. Mit dem 1. Januar 1898 gingen dann die gesamten Badeanlagen einschließlich des Kurhotels in den Besitz einer von Franke gebildete Aktiengesellschaft über.

Das Bad wurde von dieser AG, deren Vorstand August Franke blieb, bis zum Jahre 1920 betrieben. Im Jahre 1920 erwarb dann die Gemeindevertretung Wanne die gesamten Aktien des Sol- und Thermalbades. Das chemische Laboratorium Fresenius Wiesbaden bescheinigte nach einer Analyse im Jahre 1970 den Stadtwerken Wanne-Eickel AG u.a.:

Nach der vom Chemischen Laboratorium Fresenius durchgeführten "Kleinen Heilwasser Analyse" erhält das Wasser der Solquelle in Wanne-Eickel 32 252 mg. Gelöste feste Bestandteile pro Kilogramm Wasser. Der zur Kennzeichnung eines Wassers als "Sole" geforderte Mindestanteil an Natrium- und Chlorid-lonen wird von dem Wasser der "Solequelle" in Wanne-Eickel erheblich überschritten. Das Wasser der "Solequelle" in Wanne-Eickel ist nach den Begriffsbestimmungen für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen des Deutschen Bäderverbandes als eine "Sole" zu kennzeichnen.


Der Gruben- und Hüttenverein, Abteilung Pluto (1899-1906)

Die günstige Entwicklung und die guten Ergebnisse besonders in den Jahren 1871 bis 1874 waren u.a. mit Veranlassung zur Gründung der Zeche Wilhelm im Jahre 1873. Die Verkaufspreise für Kohlen und Koks standen gerade damals in einem außergewöhnlich guten Verhältnis zu den Selbstkosten.

Dem Schalker Gruben- und Hüttenverein fehlte eine gute Kohlenbasis, obwohl ihm die Mehrheit der Kuxe der Zeche Viktor in Rauxel gehörte. Er suchte daher 1899 die Fusion mit der Zeche Pluto, die unmittelbar vor seinem Hüttenwerk lag. Die Fusion beider Gesellschaften wurde auf der außerordentlichen Generalversammlung am 30. Oktober 1899 beschlossen. Zu dieser Zeit gehörte Pluto schon zu den bedeutendsten Bergwerken des Ruhrgebietes. Im Jahre 1900 wurden z.B. auf der Zeche Pluto-Thies 525.000 Tonnen Kohle gefördert, auf der Zeche Pluto-Wilhelm 430.000 Tonnen. Auf Pluto-Thies begann man 1899 mit dem Abteufen des Schachtes 4, der sowohl ausziehender Wetterschacht als auch Förderschacht werden sollte. Das war auf dem Gelände der Zeche Pluto-Thies der 3. Schacht. Im Jahre 1901 erreichte man die 6. Sohle. 1903 erfolgte das Weiterteufen des Schachtes 1 (Thies) bis zur 7. Sohle in 704,5 Meter Tiefe.

Nach der Fusion im Jahre 1899 wurde die im Bau befindliche Kokerei auf der Zeche Pluto-Thies fertig gestellt, die 1901 auf 45 Koksöfen vergrößert wurde. Ab 1902 besorgte dann eine Seilbahn den billigen Transport des Kokses zu den Hochöfen in Hüllen. Diese Seilbahn überquerte in Röhlinghausen die damalige Heinrichstraße (heute Edmund-Weber-Straße) und verlief parallel zur heutigen Gelsenkircher Straße und der Köln-Mindener Eisenbahn.

In der Generalversammlung vom 28. Oktober 1904 wurde beschlossen, dass der Schalker Gruben- und Hüttenverein mit der Gelsenkirchener Bergwerks AG eine Interessengemeinschaft eingehen sollte, die am 1. Januar 1905 beginnen sollte. Die völlige Verschmelzung der Interessengemeinschaft vollzog sich 1907. Vertragschließende waren für die Gelsenkirchener Bergwerks AG Geheimer Kommerzienrat Emil Kirdorf und Bergwerksdirektor Dr. jur. Jakob Hasslacher; für den Schalker Gruben- und Hüttenverein Generaldirektor Franz Burgers und Direktor Wilhelm Erdmann.


Die Zeche Pluto unter der Gelsenkirchener Bergwerksaktiengesellschaft (1907-1926)

Auf der Zeche Pluto-Thies wurde das im Jahre 1906 begonnene Abteufen des Schachtes 5 fortgeführt. Er lag an der heutigen Heinrich-Imbusch-Straße und Bulmker Straße. 1908 kam er mit der 5. Sohle zum Durchschlag und diente als ausziehender Wetterschacht. Nun musste auch der Schacht 1, Schacht Thies genannt, noch umgebaut werden. Dieser stand, wie schon berichtet, nur bis 164 Meter in Mauerausbau, darunter, bis zur 6. Sohle, hatte er eine Bolzenschrotzimmerung aus Holz. Durch den schachtnahen Abbau war er stark in Anspruch genommen worden. Er musste danach immer wieder kostspielig repariert werden und stand außerdem noch 1,5 Meter aus dem Lot. Bis auf 89 Meter Teufe wurde der vorhandene Schacht ohne Veränderung übernommen. Bis zu dieser Teufe wurde er verfüllt und am 1. Juni 1911 mit dem Abteufen und Erweitern des Schachtes auf 6 Meter Durchmesser begonnen. Am 17. Dezember 1912 wurde die Seilfahrtsgenehmigung erteilt. Die Mauerung verlief jetzt durchgehend bis zur 7. Sohle. Eine neue Koepe-Fördermaschine nahm 1913 die Förderung im Schacht 1 (Thies) wieder auf. Ab 1909 wurde die 7. Sohle nun auch Hauptfördersohle.


Die Zeche Pluto unter der Vereinigten Stahlwerke AG (1926-1934)

Am 1. April 1926, als die Stadt Wanne-Eickel gegründet wurde, schlossen sich auch eine Anzahl bedeutender Bergwerks- und Hüttengesellschaften zur Vereinigten Stahlwerker AG zusammen. Unter den Gründergesellschaften, deren Bergwerksbesitz in der "Hauptabteilung Bergbau der Vereinigten Stahlwerke AG" mit Sitz in Essen zusammengefasst wurde, befand sich auch die Gelsenkirchener Bergwerks. AG. Diese Bergbauabteilung war das größte private Bergwerksunternehmen in Europa. Der Felderbesitz, der sich über das gesamte Ruhrgebiet erstreckte, war mit 41 Zechen und 26 Kokerein in die vier Betriebs- und Verwaltungsgruppen Dortmund, Bochum, Gelsenkirchen und Hamborn eingeteilt worden. Die Zeche Pluto gehörte wegen ihrer Lage zur Gruppe Gelsenkirchen. Im Zuge eines großen Rationalisierungsprogramms wurde bereits am 1. Oktober 1926 die gesamte Förderung des Plutofeldes von der Schachtanlage Pluto-Wilhelm übernommen. Für ein Weiterbestehen zweier selbständiger Förderanlagen war das Grubenfeld Pluto jedoch zu klein. Den Ausschlag für die Zusammenlegung der Förderung auf der Zeche Pluto-Wilhelm gab schließlich die günstige Verkehrslage zum werkseigenen Hafen Grimberg am Rhein-Herne-Kanal und die Tatsache, dass die Tagesanlage auf Pluto-Thies veraltet war. Auch die Einrichtung einer Zentralkokerei auf der Nachbaranlage Zeche Alma in Gelsenkirchen machte die Aufrechterhaltung des stark überholungsbedürftigen Kokereibetriebes auf Pluto-Thies überflüssig. Die auf der Zeche Pluto-Thies noch betriebenen Öfen der Firma Dr. Otto wurden daher am 29. Juni 1927 endgültig stillgelegt und mit anderen Tagesanlagen abgebrochen. Auch die Seilbahn, die durch den Stadtteil Röhlinghausen führte, wurde nun abgebaut. Vom 1. Juli 1927 verlor die Zeche Pluto-Thies nach 71 Jahren ihre Bedeutung. Der Abbau und die Ausrichtung des Grubenfeldes Thies wurden nun von der Hauptschachtanlage Pluto-Wilhelm aus vorgenommen. Die Schächte 1 (Thies) und 4 blieben auf der Zeche Thies auch weiterhin Einziehschächte für die Bewetterung und Schacht 5 und 6 ausziehende Wetterschächte.

Im Krieg wurde am Wetterschacht 5 ein Ausländerlager eingerichtet. Bei einem alliierten Bombenangriff am 23. Februar 1945 wurde das Kriegsgefangenenlager am Schacht 5 sehr stark zerstört; 125 Kriegsgefangene fanden den Tod.

Im Jahre 1927, hatte Pluto Thies einen Grundbesitz von etwa 250 Hektar. Sie besaß 334 Arbeiter- und 75 Beamtenwohnhäuser mit 138 Beamte- und 1.308 Arbeiterwohnungen. Sie liegen in der Kolonie I. an der Plutostraße und im Distelkamp (Baujahr 1870 / 1884 / 1907) und in der Kolonie II. an der Rolandstraße, Römerstraße, Tiefenbruchstraße (Baujahr 1875 / 1899 / 1902-06 / 1919).

Die ältesten Zechenhäuser von Pluto Wilhelm befinden sich in der Thiesstraße, (Baujahr 1870 / 75) sowie in den Straßen Am Berg, Talstraße, Mühlenbach (Baujahr 1907-09). Die Siedlungshäuser zwischen Glückauf- und Hüttenstraße, die im Volksmund sogenannte "Hühnerleiter" (Baujahr 1907-10) wurden bis ende der 90iger Jahre modernisiert. Die ersten Beamtenhäuser (Baujahr 1909) stehen an der Nordseite der Vereinsstraße sowie an der Südseite der Wilhelmstraße. Im Jahre 1900 wird von der Zeche Pluto Wilhelm der erste Kindergarten erbaut, die Leitung wurde den Diakonissinnen übertragen.

In den fünfziger Jahren wurde der Wohnungsbau noch einmal stark forciert, weil die Belegschaft der Pluto-Schachtanlagen um 1.500 Mann aufgestockt wurde. Zeugen dieser Baumaßnahmen sind die Siedlungshäuser an der Lötzener Straße, in der Bickernsiedlung, an der Rolandstraße und der Tiefenbruchstraße und die Eigenheimsiedlung an der Heinrich-Imbusch-Straße.


Zeche Pluto unter der Rheinelbe Bergbau AG (1953-1969) und der Ruhrkohle AG

Im Jahre 1953 wurden nach den Plänen der Industriearchitekten Fritz Schupp und Martin Kremmer ein modernes Doppelstrebengerüst (Bock-Gerüst) mit einer Höhe von 56 Metern über Schacht 3 auf Pluto Wilhelm errichtet, das fortan als Wahrzeichen der Schachtanlage galt. (Vergleichbare Fördergerüste sind: Deutsches Bergbau-Museum in Bochum und das Weltkulturerbe, die Zeche Zollverein in Essen.) Im Jahre 1963 wurde der Schacht 1 (Thies) verfüllt, und bald darauf wurde das Fördergerüst abgebrochen.

In den 60iger Jahren traten große Absatzschwierigkeiten auf, man war gezwungen Kohle auf Halde zu lagern. Im Jahre 1967 wurden deshalb 15 Feierschichten eingelegt. Am 13. Oktober 1967 wehten schwarze fahnen über Wanne-Eickel. In Kundgebungen und Belegschaftsversammlungen protestierten die Bergleute gegen den beabsichtigten Stillegungsbeschluss der Zeche Pluto. Durch eine Neuordnung des Kohlebergbaus wurden die Stillegungsabsichten zurückgestellt.

Nach der Gründung der Ruhrkohle AG (RAG 1. Januar 1969) wurden die Schachtanlagen Consolidation in Gelsenkirchen-Bismarck und Pluto in Bickern im Oktober 1970 zu einer Werksdirektion zusammengefasst, mit dem Ziel der Schaffung einer Verbundanlage. In diesem Jahr förderte man mit 2.100 Bergleute insgesamt 977.000 Tonnen Kohle.

Am 31. März 1976 wird auf Pluto Wilhelm die Kohleförderung eingestellt und der letzte Wagen Kohle gefördert. Von der Stillegung waren 1.650 Bergleute betroffen. Das letzte Kapitel in der Geschichte der Zechen Pluto wurde damit geschrieben.

Heute steht das Doppelstrebengerüst weithin sichtbar als historischer Zeuge der Industriearchitektur unter Denkmalschutz. Neben dem Doppelbockgerüst über Schacht 3 gehören noch die Schachthalle mit Hängebank, das westliche Fördermaschinenhaus mit Elektrofördermaschine und Förderseil sowie das östliche Fördermaschinenhaus dazu.

Ein Teil der Tagsanlagen wird heute vom Technischen Sonderdienst der Deutschen Steinkohle AG (DSK) genutzt, welcher insbesondere das Grubenrettungswesen und die Grubenfeuerwehr umfasst. Darüber hinaus befindet sich auf dem früheren Zechengelände das Zentrallabor der Deutschen Steinkohle AG, welches als Ruhranalytik GmbH ihre Arbeit versieht.


Quelle: Lührig Heinrich, Schmitz Gerhard: Röhlinghausen, Wanne-Eickel III Geschichte und Geschichten aus einem Stadtteil der südlichen Emscherregion, Erlauscht und erlebt, gesammelt und nacherzählt S.56 ff. Brüntgens Heinz: Chronik der Schachtanlage Pluto.


   
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