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Die Geschichte der Exportbier-Brauerei Heinrich Hülsmann, von Heinrich Lührig


Eickel ohne Hülsmann konnten sich die Eickeler Lokalpatrioten nicht vorstellen. Doch als am 15. September 1989 der Vergleichsverwalter Dr. Wulf Joneleit gegen Mittag das Ruder der Hülsmann Brauerei übernahm befanden sich 1 400 Mark und ein paar Groschen in der Tageskasse der Traditionsbrauerei Hülsmann.

Die Exportbier-Brauerei Heinrich Hülsmann zählte zu den ältesten Familienbrauerein der Emscher-Ruhr Region. Der Markmann`sche Kotten mit Braustätte stand am Eingang der Zwiebelgasse in Eickel. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahre 1692. Es kann jedoch mit einiger Sicherheit gesagt werden, dass hier bereits Anfang des 16. Jahrhunderts gebraut wurde, was aus der Türkensteuerliste des märkischen Amtes Bochum und dem Feuerstättenverzeichnis hervorgeht, wonach Markmann mit 17 Stüber Steuern veranlagt wird. Gebraut wurde ausschließlich für den Eigenbedarf. Bauer Markmann, wie auch andere Bauern der Umgebung (Mummenhoff, Bönninghaus) brauten hier, um im Sommer und während der Erntezeit für sich und ihre Knechte einen kühlen und kräftigen Trunk zu haben.

Für gewerbliche Produktion fehlten in der armen und dünn besiedelten Region die Absatzmöglichkeiten. Im Laufe der Jahre wurde die Hausbrauerei bei Mummenhoff und Bönninghaus eingestellt. Markmann braute weiter und erhöhte die Bierproduktion um den steigenden Bedarf zu decken. Im Jahre 1789 vergrößerte Johann Heinrich Markmann seinen Braubetrieb und stellte einen Knecht als ersten Brauburschen ein. Da das Kötterhaus allmählich zu klein geworden war, wurde es abgerissen und ein Fachwerkhaus errichtet, das bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als Wohn- und Bürogebäude diente. Auch die Braustätte wurde umgebaut und vergrößert, denn das Bier war mittlerweile weit über Eickel hinaus bekannt, so dass die Bierwagen über den Gahlenschen Kohlenweg ins Ruhrtal zu den Kohlegräbern und über die Dorstener Straße ins nahe Münsterland fuhren.



Am 27. September 1852 heiratete Heinrich Hülsmann die Witwe des Georg Heinrich Markmann und es erfolgte die Umbenennung der Brauerei in Heinrich Hülsmann. Das Anwesen bestand zu dieser Zeit aus der kleinen Brauerei, einer Gastwirtschaft, einer Bäckerei und der Landwirtschaft.

Die Hülsmann-Wirtschaft hat zusammen mit der dörflichen Brauerei, wie das auf dem Lande auch heute noch teilweise so üblich ist, immer im Mittelpunkt gestanden. Aus den Aufzeichnungen des ehemaligen Pfarrer Beckmann aus Eickel geht hervor, dass bei Hülsmann seit 1769 die Martinis- Bruderschaft tagte. Neben den sozialen Aufgaben hatte diese auch den bekannten westfälischen Schalk im Nacken, und es ist kein Zufall, dass ihr Hauptabend immer der 11. November war.

Heinrich Hülsmann war ein guter Bauer und hervorragender Geschäftsmann. Er erkannte in der beginnenden Industrialisierung eine Chance für seinen Betrieb. Mit Hilfe einer Sparkassen-Hypothek von 8 000 Talern baute er 1869 ein massives Brauhaus mit einem Sudwerk für die Dampfkochung. Nach dem für Preußen siegreichen Ausgang des Krieges 1870/71 setzte eine Hochkonjunktur ein, bei der sich auch der Bierausstoß auf 80 000 Hektoliter jährlich erhöhte. Im Jahre 1900 hatte der Braubetrieb bereits siebzig Mitarbeiter und einen Bierausstoß von 100 000 Hektoliter. Die Anschaffung von leistungsfähigeren brau- und maschinentechnischen Anlagen steigerte die Braukapazität auf 120 000 Hektoliter.



Während im Ersten Weltkrieg das Stammhaus und die Brauereigebäude unversehrt geblieben waren, zerstörten die Bomben des Zweiten Weltkrieges das Werksgelände und die Brauerei sehr stark.

Man zählte 15 Angriffe, die auf Alt-Eickel niedergingen, dadurch wurden 70 Prozent der Gebäude, Maschinen, Eisfabriken, Fuhrwerke, Pferde, Kraftfahrzeugen, Flaschen- und Fassmaterial zerstört. Die Aufnahme des Brauens nach dem Krieg gestaltete sich äußerst schwierig. Wesentliche Rohstoffe wie Hopfen und Malz fehlten, ein Vollbier konnte nicht gebraut werden. Werner Hülsmann, stand vor schier unlösbaren Problemen. In dieser schwierigen Situation gelang es nach vielen vergeblichen Versuchen dem damaligen Braumeister Josef Baptist Niedermaier, ein waschechter Bayer, von der Paulaner Salvator  Brauerei München zu holen. Er löste nach 36 Jahren tätigkeit den Braumeister von der Münchener Thomas-Brauerei ab, der ein paar Jahrzehnte dass Eickeler Bier gebraut hatte.



Nach dem Krieg wurde langsam aber stetig aufgebaut. und als am 15. September 1948 nach vierjähriger Pause, das erste Schwachbier wieder gebraut wurde, atmeten alle in der Brauerei auf. Die Dünnbierzeit war vorbei. Rund 6 Millionen Liter sind hiervon in vier Jahren gebraut und im "Kohlenpott" getrunken worden. Auch die Eisproduktion lief wieder auf vollen Touren. Abnehmer waren die Wirte des Ruhrgebietes, die Wanne-Eickeler Metzger und nicht zuletzt die Krankenhäuser, denen schon oft wenn Not am Mann war, die Brauerei die eisigen Stangen lieferte.

Der letzte Namensträger Werner Hülsmann verstarb im Juni 1962. Seinem Wirtschaftlichen Geschick war es zu verdanken, das im Boom des Wirtschaftswunders der alte Familienbetrieb nach modernen Maßstäben wieder aufgebaut und die Bierstätte im alten Glanz erstrahlte. Alleinerbin wurde Maria Hülsmann, sie lenkte von nun an die Geschicke der Brauerei, die zu diesem Zeitpunkt einen Braumeister, einen Brauführer, und 86 weitere Mitarbeiter beschäftigte. Für den Vertrieb standen 12 Lastwagen zur Verfügung. Eine große Zahl von brauereieigenen Gaststätten, bis weit über unsere Region hinaus, sorgten für guten Absatz und das Bier galt unter Kennern als eines der feinsten weit und breit.

Um den Fortbestand der Traditionsbrauerei Hülsmann zu sichern, wurde am 1. Juli 1964 die Einzelfirma in eine Gesellschaft umgewandelt, deren alleiniger Gesellschafter Hermann Müller war. In seiner Ära ging es mit der Brauerei Hülsmann langsam und später immer zügiger bergab. Durch Verkauf von Gaststätten an andere Brauerein wurde der Betrieb lange Zeit über Wasser gehalten. Im Jahre 1988 beschäftigte die Hülsmann Brauerei laut eigener Aussage einen Braumeister, einen Brauführer und 40 Betriebsangehörige.

Um Innovationen in Angriff nehmen zu können, die Eigenkapitaldecke zu verbessern und somit auch die Brauerei als Braustätte für die Zukunft zu sichern, wurde nach Wirtschaftlichen Partnern als Beteiligungsgesellschafter Ausschau gehalten. Auf einer Pressekonferenz am 2. Dezember 1988 konnte die neue "Firmenehe" mit den Geschäftsführern Darzen Pfeifer-Nowak vorgestellt werden. Diese "Firmenehe" war der Auslöser für den Untergangs der Traditionsbrauerei Heinrich Hülsmann.

Am 15. September 1989 gegen Mittag übernahm der Vergleichsverwalter Dr. Wulf Joneleit das Ruder der Hülsmann Brauerei. Weil die Leasing-Rate für Firmenfahrzeuge nicht gezahlt worden waren, hatte kurz zu vor ein Autohaus gedroht, die Wagen vom Brauereihof zu holen. Einige Gläubiger versuchten, ihre teils beträchtlichen Forderungen in buchstäblich letzter Minute einzutreiben. Doch sie mussten unverrichtete Dinge abziehen.

Der Vergleichsverwalter erklärte später in einem WAZ Interview: "Ein Konkursverfahren wäre schon vor Jahren fällig gewesen. Dieses wäre die wirtschaftlich sinnvollste Lösung gewesen. Die hohen Verluste wurden aber immer wieder durch Grundstücksverkäufe kompensiert. " Der Jurist äußerte die Meinung, dass sich der ehemalige Mehrheitsgesellschafter Hermann Müller ein wesentliches Vermögen hätte erhalten können, wenn er selbst den Gang zum Konkursrichter angetreten hätte.



Am 16. März 1992 erfolgte in der WAZ folgende Bekanntgabe: HRB 1005-13.3.1992- Hülsmann-Bräu Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Wanne-Eickel. Die Gesellschaft ist von Amts wegen gelöscht aufgrund des § 2 des Gesetzes über die Auflösung von Gesellschaften und Genossenschaften vom 9. Oktober 1934. Amtsgericht Herne-Wanne.

Damit war das Aus der Brauerei amtlich. Mit einem gemeinsamen Antrag haben am 8. Dezember 1992 SPD, CDU und Grüne in der Bezirksvertretung Eickel Herners Stadtdirektor und- Kämmerer Heinz Drenseck aufgefordert, unter Mitwirkung des Ministeriums Zöpel Verhandlungen über den ungeteilten Erwerb des Hülsmann-Gelände zu betreiben.

Darüber hinaus wurde die Verwaltung gebeten, in Zusammenarbeit mit Ministerien Universitäten, Industrie- und Handelskammern Nutzungskonzepte für die unter Denkmalschutz stehenden Brauereigebäude zu entwickeln. Nach Aussage des Bezirksvorstehers Manfred Eckenbach sah Eickel bei einem Abriss des Brauereiareals eine städtebauliche Jahrhundert Chance.

Am Montag den 6. Januar 1992 begannen die Vorbereitungsarbeiten hierzu. Das Abbruchunternehmen Mensing aus Billerbeck beginnt ein paar Tage später mit den Abbrucharbeiten Zuerst wurden kleine Nebengebäude auf dem Grundstück abgebrochen. Es folgten die Hauptgebäude und die zum Schultenhof gelegenen Bauwerke sowie die Grenzmauern zu den Grundstücken an der Königstraße. Nur Sud- und Treberhaus blieben von der Abrissbirne verschont. Eine gewaltige Steinbrechmaschine kam hier zum Einsatz. Sie zermalte alles, was ihn ihrem Schlund geriet, bis zu 1 000 Tonnen Stein täglich. Das gekörnte Gestein wurde zu riesigen Bergen auf dem Hülsmann-Areal aufgeschüttet. Nach Beendigung der Arbeiten sahen viele Bürger erst die Ausmaßen des Mehr als 13 000 Quadratmeter großen Hülsmann- Komplexes.



Drei Jahre vergingen bis am 07. Februar 1997 Oberbürgermeister Wolfgang Becker den Umbau des stil- und denkmalgerechten Sud- und Treberhauses der ehemaligen Hülsmann Brauerei einweihte. Zur offiziellen Eröffnung hatten sich neben vielen Ehrengästen Ilse Brusis, NRW-Ministerin für Stadtentwicklung, Kultur und Sport, sowie Professor Karl Ganser, Geschäftsführer der Internationalen Bauausstellung Emscher Park (IBA), angesagt, die das 8,85 Millionen Projekt mit 6,28 Millionen Mark bezuschusst hatten.
Das umgestaltete Sud- und Treberhaus zum neuen Bürgerzentrum Eickel, macht nach Aussage vieler Eickeler Bürger einen modernen, einladenden Eindruck. Dabei war es vor dem Umbau noch für die Leitende Architektin Anette Lewandowski eine "Wundertüte". Heute befinden sich neben dem Bürgersaal, Teile des Sozial- und Jugendamtes, eine Bücherei und unter dem Dach das Bürger- und Einwohnermeldeamt.

Viele heute noch Lebende Eickeler Bürger die mehr oder weniger im Schatten der Brauerei Anlagen aufgewachsen sind, könnten heute noch so manche Episode erzählen, die mit der Brauerei und dem brauereieigenen Gaststätten zusammenhängt. Wo eine Brauerei ist, kann die Schenke nicht weit sein. Eine Bierreise durch Eickel war für manche Junggesellengruppe Eickels allmonatlich Tradition und wenn der Kreis begannen war, wobei in jeder Kneipe nur ein Glas getrunken wurde, sah man recht viele "schwankende Gestalten".

Trinkfreudig und auch trinkfest waren die Eickeler schon seit grauer Vorzeit, wovon nicht nur die Geschichte der Brauerei, sondern auch 19 Kneipen künden, die sich bis zum Krieg im Glanze der Hülsmann-Wappen-Krone um den Eickeler Markt sonnten. Das waren doppelt so viele Kneipen, wie die ganze Hauptstraße von Wanne bis Crange hatte. Um den Eickeler Markt und zu Füßen des Sudhauses lagen Nottebaum, Rendel, Stöckmann, Brüggemann, Erinnerungen werden wach bei dem Namen: "Zum wilden Mann" (Bauer), "Vatikan" (Teipel), "Meistertrunk" (Silberkuhl) "Prinz Heinrich" (Feldmann), "Deutsches Haus" (Noll), "Domschänke" (Kemper), "Alt-Eickel" (Feldhege), "Apenfranz" (van Hoegen), "Zur Quelle" (Vornbaum), "Hauptwache" (Harms), "Heisterkamp" (Heitkamp), "Friedgras" (Feldmann), "Zur Dohle" (Dohle), "Peter in der Fremde" (Heckert), "Zur deutschen Eiche" (Schrinner), und "Eickeler Feld" (Fischer). Viele Gaststättenamen sind bis heute erhalten geblieben und wer mit offenen Augen durch unsere Stadt spaziert, kann sie noch heute finden, die Reliquien der einstigen Traditionsbrauerei Heinrich Hülsmann.


Hülsmann Galerie

Reklametafeln der Hülsmann Brauerei und andere Bilder finden Sie in unserer Hülsmann Galerie.


   
  Wanne-Eickeler Jungs zeigen Wanne-Eickel